Frust und Begeisterung

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Ende November gehen mir einige Gedanken zum Thema Leseopa durch den Kopf. Im Oktober gab es für mich ein Erlebnis, wo ich mich fragen musste, ob ich wirklich am richtigen Platz bin. War früher der heilige Martin doch ein Heiliger, den jedes Kind kannte und die Geschichte erzählen konnte, so war das heuer bei einigen 6-jährigen ein „Ja, was soll’s?“, „Uninteressant!“, „Stinklangweilig!“ und „Kindergartenkram“. Das Interesse an den erzählten Legenden war entsprechend. Ich war richtig frustriert.

Welch ein Unterschied dann die Woche darauf: Geschichten aus der Ritterzeit. Ja, das war wieder eine lebendige Vorlesezeit. So macht Vorlesen Spaß. Mitleben, Gespanntsein, Diskussionen, Fragen und Interesse.

Was mich am meisten gefreut hat, bei den Kindern sprang das Kino im Kopf voll an und neue Geschichten vom „namenlosen Ritter“ wurden erfunden. Ein Beispiel darf ich Ihnen mit Genehmigung von Autorin und Erziehungsberechtigten vorstellen. Ich wünsche viel Vergnügen beim Lesen und ein Danke an die Autorin.

 

Der namenlose Ritter
Der namenlose Ritter spazierte durch den Wald. Da kam ein Ritter auf ihn zu und forderte ihn zum Turnier heraus. Der namenlose Ritter ritt auf den Turnierplatz. Als erstes kam das Tjosten dran, da stand es 1:0. Aber nicht für den namenlosen Ritter, es stand 1:0 für Ritter Richard.
Als nächstes kam das Singen dran. Da war der namenlose Ritter ganz, ganz schlecht. Bei ihm hörte man nur Geschrei. Als das Singen zu Ende war, klatschten alle sehr. Allerdings nur, weil das Geschrei zu Ende war.
Aber der Song von Ritter Richard klang viel schöner. Er klang so:

Oh, ich liebe Frauen, Kinder,
Blumen, Felder, Berge, Rinder.
Singe für den neuen Tag
Was er uns wohl bringen mag?

„Aber jetzt kommt endlich das Tanzen dran!“, freute sich der namenlose Ritter. Er strengte sich sehr an, denn er war schon auf drei Turnieren gewesen, und immer hatte er verloren!
Aber diesmal würde er gewinnen! Aber jetzt muss ich erst einmal tanzen! Er musste mit Lia tanzen. Sie war sehr gut im Gegensatz zu Lea, Richards Tanzpartnerin.
Im Tänzen war der namenlose Ritter sehr, sehr gut. Richard war nicht sehr gut, wie es sich herausstellte. Er trat Lea immer wieder auf den Fuß. Also ging die Runde an den namenlosen Ritter. Er hatte es geschafft, er hatte einmal gewonnen! Der Herold sagte laut: „Es steht 2:1 für Ritter Richards“
Jetzt kommt das Schwertkämpfen dran. Der namenlose Ritter war auch hier sehr gut. Ritter Richard und er standen sich gegenüber. Die Fanfaren erklangen und los ging es!
Ritter Richard wollte ihn heftig mit dem Schwert in den Bauch schlagen. Aber der namenlose Ritter duckte sich weg und schlug sofort zurück. Damit hatte Richard nicht gerechnet. Er kam aus dem Gleichgewicht und fiel auf den Boden. Jetzt stand es 2:2.

Alle Leute waren erstaunt. Noch nie hatte es einen Gleichstand gegeben. Wieso gab es jetzt einen? Da verkündete der Herold: „Das erste Mal im Leben hat es einen Gleichstand gegeben! Deswegen gibt es einen Entscheidungskampf im…“
Stille trat ein. Alle warteten auf den Namen des Entscheidungskampfes. „…Singen!“

Ritter Richard rieb sich die Hände. Im Singen war er gut, und sein Gegner war einfach nur schlecht. Als er vorgesungen hatte, war er sich seines Erfolges ganz sicher. Aber wie staunte er, als er das Lied seines Gegners hörte. Es klang sehr schön. Der namenlose Ritter merkte gar nicht, dass sein Lied so schön war.
Er sang nur ein Lied. Das klang so:

Es ist schön, dich hier zu haben,
dann muss ich nie wieder klagen,
wenn ich dich nur bei mir habe,
fühl‘ ich mich in Sicherheit.

Alle Leute klatschten laut. Ihnen hatte es gut gefallen. Der namenlose Ritter strahlte vor Freude. Er hatte ein schönes Lied gesungen. Aufeinmal verkündete der Herold: „Beide Lieder waren sehr schön! Doch jetzt muss Prinzessin Anna sagen, welches Lied ihr besser gefallen hat!“ Prinzessin Anna überlegte, dann sagte sie: „Von Richard das Lied war sehr schön, aber das Lied von dem namenlosen Ritter hat mich gerührt. Es war einfach schön. Deswegen heißt der Gewinner: DER NAMENLOSE RITTER!! “
Der namenlose Ritter strahlte vor Freude. Er durfte Prinzessin Anna heiraten! Sie heirateten, wohnten auf der Burg und waren einfach nur glücklich. Prinzessin Anna gab ihm einen richtigen Namen. Der lautete Stefan der Tapfere. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.

Im neuen Schuljahr

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Neues Schuljahr, Texte, Sparen, Sach- und Fachgerechtheit …

Geschätzte Leserin, geschätzter Leser ein neues Schuljahr hat begonnen und mancher stöhnt: „Es zieht sich!“.
Ein neues Schuljahr und der Leseopa geht ins dritte Jahr. Diesmal ist der Dienstag Leseopatag, und die Kinder freuen sich schon darauf, der Leseopa natürlich auch.

Als ich in die Volksschule gegangen bin, war der Herbst unter anderem mit Tag der Fahne, Kastanienbasteleien, bunten Blättern auf Papier und auf Fäden und Weltspartag ausgefüllt. Da geht mir etliches im Kopf herum:
(1) Was bedeutet Sparen heute: für Erwachsene sicher etwas anderes als für Kinder. Bei Kindern ist es noch das Sparen mit Sparbüchse, Sparbuch –  Vorrat schaffen für die Zukunft. Wenn ich jedoch etwas von Sparen höre, dann ist bei mir sehr negativ behaftet. Beim Bundesheer wird gespart, der Herr Sozialminister muss bei den Pensionen sparen, ich muss beim Einkaufen sparen, weil der Finanzminister auch sparen muss, das macht er aber nicht persönlich, sondern das müssen alle anderen für ihn machen – so schaut es für mich aus.
(2) Im Herbst geht es in der Schule auch um Tiere, die auf Vorratsschaffung bedacht sind,  zum Beispiel „das Eichhörnchen“. Ein putziges Tierchen, das jede und jeder kennt und gerne beobachtet.
(3) In der Schule gibt es immer wieder Zeitschriften von verschiedenen Institutionen, wie Jugendrotkreuz, Versicherungen, Bankinstituten mit Texten und Themen für Kinder.

Was haben diese drei Punkte jetzt miteinander zu tun? In einer Publikation eines Bankinstitutes wird das Eichkatzl als Sparmeister vorgestellt und unterschwellig werden die Kinder aufgefordert, dem nachzueifern, damit sie im Winter nicht verhungern müssen, ironisch gemeint  – aber bald ist Weltspartag.
So haben wir die drei Dingen beisammen: Zeitschriften für Kinder – viele sind ausgezeichnet, Tiere im Herbst und Winter und das Sparen.
Als Leseopa lese ich auch gerne Sachtexte vor. Durch richtige Betonung, Modulation, der Möglichkeit für Zwischenfragen und Erklärungen, in der Kleinstgruppe leicht möglich, und dem nicht vorhandenen Zeitdruck, können Sachtexte auch spannend und interessant werden. Wenn ich jedoch oben erwähnte „Werbe“texte den Kindern vorlesen soll, bekomme ich gewaltiges Sodbrennen.
Ich sehe beim Vorlesen eine große Verantwortung, dass die Texte sachgerecht, kindgerecht und fachgerecht sind. Daher ist es für mich wichtig mich vorzubereiten. Manchmal geht das in einer Viertelstunde, manchmal dauert es länger.

Genug davon, nächste Woche sind Gedichte gefragt. Ich liebe es, sie vorzulesen, aber das bedeutet eine gute Vorbereitung.

Daher jetzt noch ein Gedicht von Christian Morgenstern, Galgendichtung, 1905:

Die zwei Wurzeln

Zwei Tannenwurzeln groß und alt

unterhalten sich im Wald.

Was droben in den Wipfeln rauscht,

das wird hier unten ausgetauscht.

Ein altes Eichhorn sitzt dabei

und strickt wohl Strümpfe für die zwei.

Die eine sagt: knig. Die andre sagt: knag.

Das ist genug für einen Tag.

Bis zum nächsten Mal!

Und die Gedanken gehen auf Reisen …

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Ferienzeit, keine Schule, Urlaub – auch der Leseopa macht Urlaub.
Wenn auch keine Weltreisen, so bleibt doch genügend Zeit ein schönes Konzert zu hören, die nähere Umgebung zu erforschen und viel zu lesen. Jetzt gerade sitze ich im Salzkammergut im Schatten, höre das Rauschen der Bäume und lasse das vergangene Schuljahr in Gedanken Revue passieren. Für mich als Leseopa war es ein schönes.
Was mich jedoch etwas nachdenklich gemacht hat, war die Aussage einer Mutter, die sich bei mir bedankte und im selben Atemzug sagte, sie traue sich nicht mehr Märchen vorzulesen, weil die so schrecklich seien. Sie lese überhaupt nicht mehr vor, weil sie nur Gutes und Schönes ihrem Kind vorlesen möchte.

Für mich ist das Vorlesen etwas sehr Wichtiges. Es ist etwas sehr Intimes  und Persönliches. Es entsteht ein Zwiegespräch zwischen dem Leser und der Fantasie des Zuhörenden. Durch die Stimme des Lesenden entsteht das Kino im Kopf des Zuhörers, die eigene Bilderwelt.
Aber geschieht dies nicht auch beim Selberlesen? Stimmt, aber wann haben Sie Ihr erstes Buch gelesen? Mit sechs oder erst gestern, was war mit der Zeit davor? Ich möchte die Zeit nicht missen, wo ich zuhören durfte oder selbst erzählt habe, wo die Fantasie schweifte und Fabeltiere schuf, Landschaften und Personen nach eigener Vorstellung entstehen ließ – köstliche Kindheit und wunderbares Erwachsensein. Auch heute genieße ich die Stimme einer guten Erzählerin, eines guten Erzählers und lausche dem Dargebotenen. Warum gehen wir in ein Theater, in ein Konzert, in eine Lesung? Das Selbe kann man auch im Radio oder von einer CD hören, im Fernsehen mitverfolgen. Das Dabeisein ist das Wichtige, ist das Vertraute, das gemeinsame Erleben.

Genauso ist das mit dem Vorlesen mit Kindern.

Und die Ängste der Mutter? Märchen sind wirklich gräulich und manche so richtige brutal.
Ein sehr gescheiter Mensch hat einmal gesagt: Kinder wissen und wussten schon immer, dass es Drachen gibt. Durch die Märchen wissen sie aber, dass sie auch besiegt werden können.

Schöne Urlaubs- und Sommerzeit!

sagenhaft sagenumwoben Sagengestalt Sagenwelt Sagenkreis

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Ich habe schon des öfteren Sagen vorgelesen, meistens in Ausgaben von Herrn Köhlmeier, Frau Weninger und Frau Lechner. Ja Auguste Lechner, die Sagenexpertin meiner Kindheit und Jugendzeit ist heute noch immer aktuell. Die Sagen aus den Dolomiten faszinieren mich, besonders wenn ich mich in dieser Gegend befinde oder mich daran erinnere. Als Leseopa kann man die Stimmungen auch an die Kinder gut weitergeben, so dass sie sich in die Sagenwelt hineinversetzt fühlen.

Eine Lehrkraft der Volksschule bat mich, Sagen aus Osttirol vorzulesen. Bei der Recherche nach diesen Sagen kamen mir Dinge unter, die ich nicht kannte. Spannend ward es für mich, als ich Maßeinheiten „googelte“. Dass es Elle und Klafter  gab und das Fuß noch immer gibt, war mir bekannt. Aber dass ein Fuß zwischen 25 und 34 cm sein konnte, war neu. Daneben gab es noch die Fingerbreite, die Handbreite, die Handspanne und den Schritt. Jedes Maß hatte in den verschiedenen Ländern verschieden Längen. Eine Elle im österreichischen Raum maß 0,776 m, ein Fuß in Salzburg 0,296 m und derselbe in Wien 0,316 m. Dass es da nicht nur im Handel zu Streitigkeiten kommen musste, war vorgegeben. Diese alten Maßeinheiten gab es schon vor der Erfindung der Schrift. Sehr interessant!

Doch jetzt zu einer Sage aus Osttirol, die so richtig schaurig und grauslich ist.

Urban der Wettermacher

Auf dem Sillianberg lebte ein lasterhafter Bub, der, im Jahre 1605 dort geboren, Urban hieß und es verstanden haben soll, besonders böse Wetter zu zaubern. In schönsten Lebensalter wurde er dieser Zauberei angeklagt, gefangen genommen und im Schloss Heinsfels, der Residenz der Grafen von Görz, welche die Herren des Oberpustertales waren, eingesperrt.

Damals hielten die Richter im Schatten jener Linde Gericht, welche östlich der Kirchhofmauer stand und ihrer Größe wegen allgemein bewundert wurde; denn der Stamm ein Fuß (30 cm) über der Erde maß einen Umfang von 23½ Wiener Ellen (18,24 m) und acht Fuß (2,4 m) über der Erde 13¾ Wiener Ellen (10,67 m). In dem ausgehöhlten Stamme fand eine Familie Unterkunft. Diese alte Zierde des Marktes hat ein Windstoß am 30. Juni 1836 umgestürzt.

Urban leugnete hartnäckig, dass er ein Zauberer sei, und er wurde daher in einen festen Kerkerturm eingesperrt und gefoltert. Er wurde zuerst auf der Folterbank ausgespannt, es wurden ihm an Hände und Füße so lange schwere Gewichte gehängt, bis die Glieder aus den Gelenken kamen. Nun bekannte er alles, was man ihm zur Last legte; ließ man nach mit der Tortur, so widerrief er. – Man folterte dann abermals, und auf diese Weise brachte man folgendes Bekenntnis aus ihm heraus: Er habe auf einem Berge bei Sillian mit Hilfe des Teufels ein Übergehen des Thurntaler Hochsees veranlasst, das den Thurntaler Bach anschwellen ließ und grässliche Zerstörungen verursachte; die sündflutähnliche Überschwemmung war ihm aber nicht möglich geworden, weil die besonders kräftig geweihten Glocken von Sillian und Ahrnbach (durch letzteres Dörflein fließt der Ahrnbach) auf einmal von selbst das Wetterläuten anfingen und er und sein mächtiger Gehilfe dem Wunder weichen mussten und dabei auch fast ohnmächtig geworden wären.
Wohl zogen gleich darauf furchtbare Gewitterwolken über Sillian und entluden Regen und Hagel noch genug, um die Felder zu zerschlagen. Als dieser Zauber geendet, sei eine dunkle Wolke zum Berg gekommen, welche so dicht gewesen, daß er auf ihr nach dem drei Stunden fernen Dorf Abfaltersbach hinabfahren konnte, wo er abermals solche Schauerwetter machte, desgleichen auch an vielen Orten des Tauerngebirges und am Großglockner.
Bald wurde ihm das Urteil gesprochen: Erst mit glühenden Zangen gezwickt, dann gerädert, endlich verbrannt zu werden. Von der Landeshauptstadt Innsbruck kam das Urteil dahin gemildert zurück, dass das Zwicken wegfallen und der Verurteilte von dem Rade sogleich den Gnadenstoß erhalten solle.
Dieses Urteil wurde auch nach zwei Tagen vollzogen und die Asche des verbrannten Wettermachers in den Wind gestreut. Aber der Turm, in welchem Urban gesessen und gefoltert wurde, ist jetzt noch zu sehen und heißt „der Turm Urban“. Wer den Turm sieht, dem durchschauert es das Herz, und er gedenkt mit Entsetzen an jene furchtbare finstere Zeit, die so geistesblind, so gedankenlos gewesen ist und so lange gedauert hat.
Quelle: Deutsche Alpensagen. Gesammelt und herausgegeben von Johann Nepomuk Ritter von Alpenburg, Wien 1861, Nr. 321.

Solche Sagen von Wetter-Zauberern  gibt es in ganz Österreich und Prozesse gegen Hexen und Zauberer gab es noch bis in die 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts in Österreich (Tu felix Austria?).

Werde ich diese Sage den Viertklässlern vorlesen? Ich bin mir nicht sicher, wenn schon, dann muss ich mit den Kindern auch über diese Foltermethoden und den Stellenwert des Menschen im Mittelalter reden.
Wahrscheinlicher ist es, dass ich die Sage vom Venedigermandl vorlesen oder besser noch erzählen werde.

 

 

Wanderer kommst du nach…

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Ende April, die Osterferien sind vorbei, der Leseopa war auf Kreta.

„Wanderer kommst du nach …“ – „Sparta“ schreibt der griechische Lyriker Simonides um 500 v. Chr. – „Kreta“, denkt sich der Leseopa und weiter „so erinnere dich der Märchen, die hier geschahen, vor einiger Zeit.“
Kaum auf dem Flughafen gelandet, umfängt einen eine andere ????. Irgendetwas schwingt hier anders, es ist nicht nur die Freundlichkeit, die gewisse Großzügigkeit, die Herzlichkeit, nein, es liegt irgendetwas Besonderes in dieser kretischen Luft. Wenn Sie an Kreta denken, welche Personen und Gestalten fallen Ihnen ein?
Wie schaut der Minotaurus aus? Im Palast von Knossos bekommt er seine ganz eigene Gestalt. Theseus und Ariadne, Göttervater Zeus als Baby – hier auf Kreta, ihrem ursprünglichen Wirkungsort bekommen sie ein „eigenes“ Leben eingehaucht. Zwei weitere berühmte Figuren aus der griechischen Sagenwelt kamen mir bei einem Ausflug in die weißen Berge in den Sinn. Wir hatten von dort oben einen wunderbaren Blick weit über das Meer. Hier könnten Daidalos und Ikaros  los geflogen sein. Und wenn dann noch ein Sturm aus Süden plötzlich mehr als dreißig Grad Celsius und Tonnen lybischen Sandes bringt, dann fühlt man ganz genau, wie das Wachs der Flügel schmilzt und das Meer immer näher kommt, genau so, wie man sich selbst zusammengedrückt fühlt. Wenn sich das Osterlamm am Spieß dreht, der Leseopa mit einem Glas Landwein zuschaut und der kretischen Musik lauscht, dann kommt ihm Alexis Sorbas, die Romanfigur von Nikos Kazantzakis, in den Sinn und auch der für mich schönste Spruch daraus: „Heh, Boss! Hast du jemals erlebt, dass etwas so bildschön zusammen kracht?“ 

Das Umfeld beeinflusst viele Märchen und Geschichten und dieses Umfeld macht sie auch lebendig. Ein Sorbas könnte bei uns in Tirol nicht so sein.Lavendel

Heute war also wieder Leseopa-Tag in Igls. Die Kinder der zweiten Klasse hatten Badesalz als Muttertags-Geschenk gemischt und schön verpackt.
Da passt nur ein Kräutermärchen von Folke Tegetthoff: der Lavendel. Der voriger Sommer war sehr heiß gewesen und die Lavendel-Ernte im eigenen Garten ausgezeichnet, so hatte ich ein Glas Lavendelblüten mit und die Kinder konnten diese schnuppern, reiben und in der Hand behalten. Da wurde der König, der bei jeder Gelegenheit Huch schrie und in Ohnmacht fiel, real und auch der Sandler, Landstreicher oder Hippie mit seinen Freunden im Hemd war fast als Person in der Schulbücherei. Wenn dann die Kinder bei der Stelle, wo das alte Weibl den König anschnauzt, noch kichern, dann wird dem Leseopa warm ums Herz und er freut sich umso mehr auf die nächste Woche mit neuen Vorlese-Erlebnissen.

 

 

Innovation?

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In einer Beilage einer anders färbigen Tageszeitung hat man berühmte Leute gefragt, was für sie die wichtigste Innovation sei.
Die Antworten: eine App zum Navigieren, GPS, die Schrift, ein Wasserkocher, die Inspiration, das Catering,
Wenn hier die Schrift genannt wurde, so ist für mich die Kommunikation eine der wichtigsten Errungenschaften der Menschheit.
Übrigens die Schrift nannte der Physiker und Science Buster Werner Gruber und Sarah Wiener den Wasserkocher.
Können Sie sich noch an ein Märchen erinnern, das Ihnen erzählt worden ist, oder das Sie selbst vorgelesen haben? Und haben Sie eines dieser Märchen Ihrer eigenen Kindheit wieder Ihren Kindern weitererzählt? Das gehört zur Kommunikation, und da werden so grundlegende Dinge wie  Zuhören, Erzählen, Vorlesen trainiert.

Gestern konnte ich in einer ersten Klasse vorlesen: Märchen. Kennen Sie das Märchen vom Geist aus der Flasche? Wie groß waren die Augen der Kinder als der Geist mit schrecklich grausiger Stimme sagte: „Jetzt werde ich dir den Hals brechen!“ und wie erlöst saßen sie da , als der Geist wieder in der Flasche war. Und erst die Freude bei den Bremer Stadtmusikanten, wie die Tiere die Räuber aus dem Haus vertrieben.

Seit Jahrtausenden werden Märchen und Ereignisse erzählt, rund ums Lagerfeuer, in kalten Winternächten, wenn ein Fremder in ein Dorf kam, … Durch die Erzählungen wurden Nachrichten weiter getragen. Die Geschichten von Odysseus und Achilles kennen wir durch die vielen Erzählungen, die weitergegeben wurden. Auch die Geschichten über die Ritter und ihre Taten und Kämpfen gab es zuerst nur mündlich, oft in Liedform. Ich erinnere mich immer wieder gerne an das Nibelungenlied mit Siegfried, Hagen, Krimhild und Alberich, dem giftigen Zwerg.

Wann waren Sie das letzte Mal bei einer Lesung oder einem Märchenerzähler? In Marakesch?
Bei uns gibt es die Märchenerzähler auch noch, unter vielen anderen Folke Tegetthoff, KAI (Reinhard Likar), Frau Wolle und natürlich die vielen Mütter und Väter, die aus ihrer Erinnerung die Märchen Tag für Tag erzählen.

Der Gedanken genug für heute, gestern gab es in der Schule nachher eine gesunde Jause von den „Erstklass“ Eltern, die obwohl gesund auch superb mundete – eben First Class.

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Ich hol mir jetzt ein Buch, lese eine kurze Geschichte und freu mich auf die kommenden Osterferien.

Frohe Ostern!

Kennen Sie Janosch?

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Wie froh kann ich als Leseopa sein, wenn es Lehrkräfte gibt, die einen bitten – nämlich mich, Fantasie-Geschichten vorzulesen.
Beim Stöbern in meinen grauen Zellen und beim Überlegen, wer oder was hat denn mich so fantastisch träumen lassen – da kamen mir Namen wie Dietrich von Bern, König Arthur, Old Shatterhand, Winnetou, Kara Ben Nemsi, Prinz Eisenherz  genau so wie Momo und die kindliche Kaiserin in den Sinn.
Aber auch Till Eulenspiegel oder vielleicht Münchhausen? Die zwei kennt jeder, aber Janosch?
Von Janosch kennen manche Panama und einige mehr die gestreifte Tigerente.

Aber wer kennt Jippi Brown oder Lukas Kümmel?

Wenige, und von der 4a niemand.

Jippi Brown ist Mäusesheriff. Stellen Sie sich vor, werte Leserin, werter Leser dieses Blogs: Es ist Mittag, High Noon, die Hauptstraße quer durch den Kartoffelacker, wo die Kreuzottern lauern, flirrt vor lauter Hitze.
Ist die Stimmung da? Etwas Musik aus einem Italowestern dazu …
Da kommt eine Gestalt herunter vom Maulwurfsgebirge direkt nach Katzelbach, mit einem Hut, der fünf Löcher hat, Jeans aus feinstem Hirschkäferleder, ja, das ist Jippi Brown – und der erzählt Geschichten von seinen Erlebnissen, die sehr fantastisch sind und manchmal etwas geflunkert sein könnten. Außerdem nimmt er es nicht so genau mit den Silben, so wird aus einem Steckbrief ein Speckbrief und der Barbier von Sevilla ist eigentlich aus Chichilla.

Haben Sie schon ein Bild vor ihren Augen?

Lesen IST wie Kino im Kopf und Vorlesen noch viel mehr.

Und Lukas Kümmel ist ein Bub, der gerne Zauberer wäre, aber es klappt am Anfang nicht alles und vieles geht schief.

Die 4a als Zuhör-Publikum war super und die Vorlesestunde hätte noch lange so weiter gehen können – aber 25 Minuten je Gruppe  sind zusammen 50 Minuten und länger ist eine Unterrichtsstunde nicht.

Ich hoffe, dass das Kino im Kopf noch länger weiter geht.

Wieder Mittwoch, Leseopa-Stunde

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Heute war es fast so wie vor meiner Pensionierung, ich war Lehrer aber nicht so richtig. In der VS Igls-Vill ist die Zeit der Infekte bei den Lehrerinnen angekommen. Daher bat mich die Klassenlehrerin der 2a Klasse, die ganze Klasse zu übernehmen, damit sie in einer anderen Klasse supplieren kann. Gesagt, getan – und es war richtig nett. Eine viertel Stunde Aufsicht vor dem Unterrichtsanfang mit vielen Gesprächen mit den Kindern. Dann gingen wir in die Bücherei. Die Kinder waren super ruhig, aufmerksam und auf die Märchen gespannt.

Ich hatte ein Kräutermärchen von Folke Tegetthoff zum Einstieg ausgewählt: das Märchen vom Lavendel. Die Kinder bekamen eine Lavendelblüte zum Schnuppern, und die Kinder erzählten, woher sie diesen Duft kannten.

Mit noch zwei anderen Märchen war die Stunde gleich vorbei. Doch wie jedes Mal tönte es: „Bitte noch ein Märchen!“

Ein letztes ganz kurzes von den Brüdern Grimm:

Der goldene Schlüssel

Zur Winterszeit, als einmal ein tiefer Schnee lag, musste ein armer Junge hinausgehen und Holz auf einem Schlitten holen. Wie er es nun zusammengesucht und aufgeladen hatte, wollte er, weil er so erfroren war, noch nicht nach Haus gehen, sondern erst Feuer anmachen und sich ein bisschen wärmen.
Da scharrte er den Schnee weg, und wie er so den Erdboden aufräumte, fand er einen kleinen goldenen Schlüssel. Nun glaubte er, wo der Schlüssel wäre, müsste auch das Schloss dazu sein, grub in der Erde und fand ein eisernes Kästchen. Wenn der Schlüssel nur passt! dachte er, es sind gewiss kostbare Sachen in dem Kästchen.
Er suchte, aber es war kein Schlüsselloch da, endlich entdeckte er eins, aber so klein, dass man es kaum sehen konnte.
Er probierte, und der Schlüssel passte glücklich.
Da drehte er einmal herum, und nun müssen wir warten, bis er vollends aufgeschlossen, und den Deckel aufgemacht hat, dann werden wir erfahren, was für wunderbare Sachen in dem Kästchen lagen.

Bis zum nächsten Mal!

Leseopa bekommt vorgelesen

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SONY DSCAm 12.März war es einmal umgekehrt. Ich, der Leseopa, durfte dasitzen und zuhören.

Warum das? In der Volksschule Igls-Vill gibt es für die 3.Klassler ein Projekt, das sich Lesebuddy nennt. Die Schüler und Schülerinnen lesen den Kindern aus dem Kindergarten, die nächstes Jahr in die Schule kommen, aus einem Bilderbuch etwas vor.

Das ist aber gar nicht so einfach: ein Bilderbuch vorlesen. So ein Buch lebt von den Bildern und hat nur wenig Text – viel schauen, erklären, Fragen beantworten, Zeit geben und auf das jüngere Kind eingehen.

Doch nun zum Vorlesen: Die Kinder lasen mit einem Riesen-Eifer wunderschön vor, keines war zu schnell, die Stimme veränderte sich, von Piepsen bis zu Brummen war alles zu hören, von schnell bis langsam, passend zum Text. Es war ein Vergnügen!!

Ich bekam aus sehr vielen Büchern vorgelesen, davon merkte ich mir „den Regenbogenfisch“ und „Herr Petterson und Findus“. Über Findus musste ich besonders lachen. Ich holte mir nachher das Buch aus der Schulbücherei und habe es nachgelesen. Mein Kommentar: lesenswert und vorlesenswert.

Leseopa?

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Jetzt bin ich schon das zweite Jahr Leseopa in der Volksschule Igls-Vill. Ich bin ein mal pro Woche in der Schule und lese den Kindern vor oder sie lesen mir vor oder …

Davon soll hier im Blog die Rede sein.

Da kommen schon die ersten Fragen:

Wer ist „ich“?
ICH ist ein Pensionist, der Lehrer und Schulleiter war, verheiratet und Vater ist und der zwei entzückende Enkelkinder hat.

Was ist ein „Leseopa“?
Öfters heißt der Leseopa auch Lesepate. Aber da ich Opa bin und gerne vor lese, wurde ich zum Leseopa.

Wo ist Igls-Vill?
Igls und Vill waren Dörfer, die 1942 nach Innsbruck eingemeindet wurden.
Daher: Igls und Vill sind Orte in Tirol, oberhalb von Innsbruck und am Fuß des Patscherkofels und liegen in Österreich.